Hot Wheels

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Seit der Entdeckung des Rades rollen wir unsere Dinge und uns selbst durch die Welt, statt sie mühselig hinterher zu schleifen. Unsere Städte sind in ihrer Gestaltung auf den Transport auf Rädern ausgerichtet, die rund 80 Millionen Deutschen fahren 60 Millionen Fahrräder und 40 Millionen Autos. Derzeit findet bei den Protagonisten der Straßen eine Rollenverschiebung statt: Die urbane Mobilität fordert neue Lösungen, und deshalb wird nicht unbedingt das Rad, aber doch sein Einsatz neu erfunden.

Vor etwa fünf Jahrtausenden war die erste gelagerte Holzscheibe eine kleine Wende für den Lastentransport, aber eine große Umdrehung für die Zivilisation. Wie sähe das Rad aus, wenn wir heute gestalterisch bei Null begännen? Wohl genauso? Tatsächlich hat ein Tüftler eine Alternative gefunden. Die ist quadratisch, und – als wäre das nicht gewagt genug – Erfinder David M. Patrick hält sie außerdem für potenter als den Klassiker. Die Konstruktion besteht aus vier Viertelkreisen mit dazwischen gesetzten geraden Stücken. Einmal losgelassen rollt und rollt das Rad, seine spiralförmige Struktur ist selbst-balancierend und selbst in unebenem Gelände flott unterwegs. Patrick, ein Skater, integrierte die Zufallserfindung sofort in das eigene Leben, taufte sie Shark Wheels, trieb Startkapital bei Kickstarter auf und bietet jetzt Vierersätze für Boards an. Die ersten Nutzer sind begeistert. Und andere stellen sich die Frage, ob das Prinzip nicht auch auf Fahrräder oder sogar Autos zu übertragen wäre.

Taschenfahrzeuge

Auf den Straßen und Gehwegen wird die Forderung nach Veränderung laut. Der fossil befeuerte Individualverkehr ist ein Auslaufmodell, ebenso die Massenmobilisierung. Gerade die junge Generation hat keine Lust mehr aufs Auto, auf langwierige Parkplatzsuche und teure Benzinpreise. Statt nach dem Was, fragen sie vielmehr nach dem Wie, und um Entfernungen zu überwinden, nutzen sie öffentliche Verkehrsmittel genauso wie Fahrräder oder elektrische Lösungen. Allerdings zielten Ansätze, wie das sperrige und vor allem irgendwie clownesk wirkende und vor allem bei Großstadttouristen beliebte Stehfahrzeug Segway – zum Glück – am Zeitgeist vorbei. Die Mikromobilität, wie Verkehrswissenschaftler die neue Bewegung nennen, fordert vor allem Flexibilität. Und der wird bisher kaum ein Fahrzeug gerecht.

Das Huch-Rad
Einer der mikromobilen Denker ist der Neuseeländer Grant Ryan. Er hat das faltbare elektrische Yike Bike entworfen, das so heißt, weil Passanten dem Entwickler bei seinen Testfahrten immer „Yikes!“ (Huch!) hinterher riefen. Mit dem großen Vorderrad und kleinem Stützrad erinnert es entfernt an ein geschrumpftes und durch eine Zeitmaschine gejagtes, historisches Hochrad. Auf Yike Bike sitzt man aufrecht und lenkt in Sitzhöhe seitlich. 25 Stundenkilometer sind damit möglich, aufgeladen wird an der Steckdose. Zum Beispiel ganz praktisch unter dem Schreibtisch. Mit wenigen Handgriffen ist es zu einem formschlüssigen, kleinen Paket zusammengeklappt und passt problemlos in jedes Büro, aber auch in die Straßen- oder U-Bahn. Wer am schnellsten zur Arbeit kommt, indem er zur nächsten Tram radelt, kann den kleinen Transformer an der Haltestelle einfach auf Kofferformat bringen und kostenlos unter dem Sitz mitfahren lassen.

Klapp und weg


Ebenso wichtig wie das Mobilitätsthema Sharing ist die schnelle und Moment-synchrone Anpassung. Das in Deutschland entwickelt Solowheel ist ein Beispiel für absolute Reduktion bei maximaler Leistung. Dem Segway ähnlich, besteht es eigentlich nur aus einem Rad mit zwei Fußstützen. Beschleunigt, gebremst und gesteuert wird durch Verlagerung des Körpergewichtes, die Balance halten eingebaute Gyroskope, also Stabilisierungs-Schwungräder. Es verzichtet auf den Steuerungsstab und kann aufgrund des kleinen Formats überall parken – auch unter dem Bett oder neben dem Staubsauger.

Feuersteinscher Muskel-Antrieb
Fast alle aktuellen Mobilitätsalternativen sind Hybridformen archetypischer Fortbewegungsmittel. Da werden Tretroller und Fahrrad gekreuzt, wie beim gerade in der Finanzierungphase steckenden Halfbike, oder Einrad und Moped, wie beim Onewheel. Das mit einer Batterie ausgestattete Copenhagen Wheel frisiert einfache Treträder zu leistungsstarken Elektroflitzern, die mit der glänzend roten Plastikscheibe noch dazu entzückend aussehen. Der wichtigste Faktor nach den Eigenschaften kompakt, beweglich und anpassungsfähig ist der Spaß, den Geschwindigkeit und Optik auslösen. Noch allerdings sind die meisten heiteren Geräte auf Deutschlands öffentlichen Wegen und Straßen nicht zugelassen. Bis sich die Gesetzeslage ändert, versprechen mit Muskelkraft betriebene Innovationen den Synapsen Kirmes. Das gelbe Fliz etwa ist ein knallgelbes Laufrad für Erwachsene, in dessen Gurt man sich einhängen kann und das bedient wird wie ein Fahrrad. Yabba dabba doo.

erschienen bei Designlines, www.designlines.de

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