„A Labour of Love“ – Brian Housdens modernistischer Wohntraum



TMH_Sping Hill Park_interior_HR-19

Das Londoner Viertel Hampstead überzeugt mit einer isolierten Lage, einem hügeligen Layout, zurückgesetzten Fassaden und üppigem Grün. Mittendrin steht mit dem Wohnhaus des britischen Architekten Brian Housden ein Juwel der Moderne – und die ästhetische Antithese zur historischen Substanz. Jetzt geht das exzentrische Lebenswerk zum ersten Mal in neue Hände.

Die pittoresken Reihenhäuschen, die sich in Hampstead bergauf und bergab aneinanderreihen, sind eine Leistungsschau des viktorianischen Architekturerbes: Hampstead ist eine gutbürgerliche Nachbarschaft aus dem Klischee-Förmchen. Beim Spaziergang durch die Straßen allerdings gibt es regelmäßig architektonische Überraschungen aus Beton, Stahl und Glas. In den Sechzigern fanden auch einige Architekten Gefallen an der entschleunigten Gemütlichkeit und verwirklichten im beschaulichen Hampstead ihre modernistischen Bauträume. Norman Foster war darunter, Neave Brown und Ernő Goldfinger. Brian Housden ist in dieser Reihe wahrscheinlich der am wenigsten bekannte Vertreter der Zunft, sein Haus dagegen wohl das aufregendste Gebäude des Viertels. 

Das Haus 78 South Hill Park war das Passionsprojekt Brian Housdens und wurde gleichzeitig zu seinem Lebenswerk. In ihm steckt die Essenz seiner architektonischen Vision, die auf der grünen Wiese begann. „Ich erinnere mich, wie wir hierher kamen und unser Vater in die Weite zeigte und sagte: Hier werde ich ein Haus bauen“ berichtet seine Tochter Beth über die Anfänge im Jahr 1963. „Er hatte damals nicht viel Geld, und so stoppten die Bauarbeiten immer wieder. Er machte sogar einen Schreinerkurs, um die Möbel selbst bauen zu können.“ Offiziell war der Bau nach zwei Jahren fertig gestellt – tatsächlich wurden viele Einbauten und Installationen, wie Türen, Regale oder auch die den Essbereich umlaufende Vorhangschiene, erst im Laufe der Zeit ergänzt.
Eigentlich hatte Housden eine Architektur vorgesehen, die sich deutlicher an gängigen Typologien der Moderne orientierte. Doch dann besuchte Housden Pierre Chareaus Maison de Verre in Paris – ein avantgardistischen Glasbaustein-Haus von 1931 und das Rietveld Schröder Haus in Utrecht, ein hyperfunktionalen Gebäude mit einer rationalen Geometrie und ausziehbaren Wänden. Die elementare Farbgestaltung, Schiebetüren oder auch die Glasbausteine sind ein eindeutiges Souvenir dieser Exkursionen – trotzdem ist Housdens Haus ein eigenständiges und einzigartiges Werk. Gerade das Ideen-Patchwork ist seine Qualität: Die versetzte Kubatur des Gebäudes, die Fassade mit ihren Vorsprüngen, die leuchtenden, monochromen Mosaike, die exponierten Konstruktionen und der karge Sichtbeton sorgen für eine im besten Sinne eigenwillige Wohnatmosphäre. 

Seit 2014 steht 78 South Hill Park deshalb unter Denkmalschutz, gerade einmal zwei Tage vor der endgültigen Listung verstarb der Brian Housden im Alter von 86 Jahren. Seine Töchter wollen das Haus jetzt an eine neue Bewohner weitergeben. Die Tochter Tess Housden sieht in dem Generationswechsel mehr als nur die Weitergabe des physischen Baus. „Wenn man in einem Umfeld aufwächst, das so anders ist als das der meisten Menschen, hat das einen Einfluss darauf, wie du über Kunst und Architektur denkst.“

The Modern House

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: