Visionärer Tropfenfänger

WW_IM_SE_V1.8_150424_LaStorta_SunSet_SAM_1662_4608x3456_RGBDer Bambus-Turm steht in der kargen äthiopischen Landschaft wie eine grazile Skulptur, futuristisch und archaisch zugleich. Mit Bambusskelett und einer Haut aus zarten Netzen ist er Landmarke, Dorfzentrum und Wasserquelle.

Die Geschichte von Warka Water begann vor fünf Jahren mit einer Reise des italienischen Architekten und Künstlers Arturo Vittori nach Äthiopien, auf ein Hochplateau im Nordosten des Landes. Der Trip war eine Begegnung mit einer „dramatischen Realität“, erzählt Vittori. „Die Dorfbewohner der ländlichen und isolierten Gemeinde lebten zwar in dieser fantastischen Landschaft, aber ohne fließendes Wasser, Duschen, Toiletten.“ Das nächste Wasserbecken lag Meilen entfernt, die Frauen und Kinder füllten dort täglich ihre Kanister. Die schwere Last zurück zu tragen war eine körperliche Strapaze, das Wasser ein hygienisches Risiko. Arturo Vittori, der in Bomarzo das Studio Architecture and Vision führt, wollte eine Alternative entwerfen, die für die Dorfbewohner sozial, ökologisch und finanziell funktioniert. Noch im selben Jahr begann ein Projektteam des Büros mit dem Prototypenbau von Nebelfängern, 2015 stand der erste Testturm in Dorze in Äthiopien. Er ist 9,5 Meter hoch, wiegt gerade einmal 80 Kilo und holt bis zu 100 Liter Wasser aus der Luft. Für die Konstruktion der tragenden Dreiecksstruktur haben die Architekten auf Bambus gesetzt, denn das Naturmaterial ist leicht, biegsam und stabil. Im Innern hängt ein Kunststoffnetz, in dem sich Tau und Nebel in Tropfen absetzen und in einem zentralen Kollektor aufgefangen werden. Zusätzlich wurde ein umlaufender Baldachin installiert, der die Verdunstung des gesammelten Wassers verhindert, aber auch einen schattigen Gemeinschaftsort für die Dorfbewohner schafft. „Warka Waters ist in erster Linie ein Architekturprojekt, es sollte nicht als die eine Lösung für alle Wasserprobleme verstanden werden“ erklärt Vittori. Als Werkzeug gegen Wassermangel sind die filigranen Türme aber auch nicht zu unterschätzen. Selbst wenige Liter können für nachhaltige Veränderungen sorgen. In Dorze haben die Bewohner nicht nur sicheres Wasser, sondern auch mehr Zeit für andere Aktivitäten.

Erschienen in der Printausgabe des Magazin DEAR, www.dear-magazin.de

 

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